Fest steht, dass die „Fischereiwirtschaftsgenossenschaft Mittel Eider“ am 9.2. 1937 gegründet wurde.

Als Ort der Gründung ist in einem Schreiben des Landrats Kolbe, Schleswig aus dem Jahr 1937 zwar Erfde angegeben. Dies dürfte jedoch ein Irrtum sein (Verwechselung mit dem Sitz der Genossenschaft).

Es gibt einen Zeitungsbericht der Dithmarscher Landeszeitung über die  Gründungsversammlung am 9.2.1937 in Hansens Gasthof in Delve. Es muss deshalb davon ausgegangen werden, dass die Gründung in Delve stattgefunden hat.

Sitz der Genossenschaft ist allerdings von Anfang an Erfde gewesen.

Die älteste schriftliche Unterlage, die im Kreisarchiv Schleswig aufzufinden war, ist ein  Entwurf der Satzung mit handschriftlichen Korrekturen und Ergänzungen. Es ist zu vermuten, dass diese Satzung auch tatsächlich beschlossen wurde.

Das Original liegt in Schleswig leider nicht vor.

Die Verkündung der Satzung erfolgte danach  im Amtsblatt der Regierung zu Schleswig vom 10. 4. 1937 Seite 120. (Hinweis: Veröffentlicht wurden nur Teile, wahrscheinlich die genehmigungspflichtigen Teile der Satzung).

Diese Satzung enthielt bereits alle grundsätzlichen Bestimmungen, wie sie auch heute noch in der Satzung enthalten sind, so z.B. die Zusammensetzung des Vorstandes und die Zuständigkeiten für den Vorstand und die Mitgliederversammlung.

Bemerkenswert ist ein Schreiben des „Kommissars zur Bildung einer Fischereigenossenschaft im Gebiet der Mitteleider“ vom 10.4.37, worin der Landrat in Schleswig an den Herrn Baurat Weinhold, Marschenbauamt Heide, schreibt, dass er es nach Rücksprache mit Fachleuten für zweckmäßig hält, sofort Hechtbrut für 1.500 RM und Schleie für 500 RM auszusetzen, und er wäre dankbar für umgehende Nachricht, dass diese Summen bewilligt werden.

Diese Maßnahme war offenbar eine Aktion um den Start der Genossenschaft zu erleichtern bzw. die Richtung der künftigen Arbeit (u. a. auch Besatzmaßnahmen durchzuführen) vorzugeben.

Als nächstes interessantes Dokument gibt es eine Abschrift der Niederschrift über die ordentliche Mitgliederversammlung aus dem Jahr 1943.

Aus dieser Niederschrift geht hervor, dass mit heutigen Verhältnissen vergleichbare Beschlüsse gefasst wurden.

Wesentlicher Inhalt der Niederschrift ist die Feststellung, dass zwar alle Pächter ihre Pacht bezahlt haben, aber nicht alle quittierte Rechnungen für den Fischbesatz vorgelegt haben. Deshalb wurde beschlossen, Hechtbrut durch den Vorstand von der Fischbrutanstalt der Landesbauernschaft Schleswig-Holstein aus Altmühlendorf zu besorgen.

Genau das, wird auch heute noch bzw. wieder gemacht.

Besatz mit kleinen Hechten im Frühjahr 2012, geliefert von Albrecht Hahn von der Fischbrutanstalt Alt-Mühlendorf

Besatz mit kleinen Hechten im Frühjahr 2012, geliefert von Albrecht Hahn von der Fischbrutanstalt Alt-Mühlendorf

Zur  Zeit der Gründung  sind in den Akten 28 Fischer als Pächter der Eider von Rendsburg bis Nordfeld verzeichnet. Es waren möglicherweise auch einige Nebenerwerbsfischer dabei.

Dennoch spricht diese Zahl für die große Bedeutung der Eider als Fischlieferant – insbesondere als Stör-Lieferant - zur Versorgung der örtlichen Bevölkerung.

Eider-Fischer ca. 1937:

  • Nikolaus Schaawe, Ostermoor      
  • Frahm, Nübbel
  • Wilhelm Schaawe, Horst
  • Peter Eggers, Wrohm
  • Jürgen Boderius, Süderstapel
  • Christ. von Stamm, Horst
  • Hans Boderius, Süderstapel
  • Eggert Lütjen, Horst
  • Hans Dühr, Tielenhemme
  • Richard Voß, Horst
  • Paul Arriens, Tielenhemme
  • Jürgen Voß, Ostermoor
  • Aug. Dethmann, Horst
  • Herm. Stolley, Drage
  • Konrad Söth, Hohner Fähre
  • Hans Knuth, Drage
  • Hans Frahm, Pahlhude
  • Otto Masuch, Dörpling
  • Reimer Benck, Pahlen
  • Claus Rehder, Hamdorf
  • Siem Benck, Pahlen
  • Suhr, Nübbel
  • Hans Eggers, Büdelsdorf
  • Nicolaus Schaawe, Wrohm
  • Hans Beeck, Wrohm
  • Klaus von Stamm, Horst
  • Wilhelm Söth, Tielenhemme
  • Harder, Nübbel

Störfang in der Eider Juni 1967

Die Eiderfischer Wilhelm von der Heyde (li.) aus Horst und Heinz Siegert (re.) aus Kleve mit einem 2,45 m langen und 203 Pfund schweren Stör-Rogner, gefangen im Juni 1967 in der Untereider bei Nordfeld. Bildnachweis: Ernst Kroezus, Störbildarchiv Siegfried Spratte

Heute - Unsere Berufsfischer von links nach rechts: Heiko Siegert, Jörg von der Heyde, Otto Heinrich Voß

2013 - Berufsfischer von links nach rechts: Heiko Siegert, Jörg von der Heyde, Otto Heinrich Voß

Berufsfischer auf der Mitteleider heute

Aus dem Zeitungsbericht der Dithmarscher Landeszeitung über die Gründungsversammlung am 9.2.37 in Delve geht hervor, dass als Hauptbevollmächtigte (und spätere Vorstandsmitglieder) Bürgermeister Jöns aus Erfde, Bürgermeister Sierks aus Hennstedt und Bürgermeister Blunk aus Hamdorf vom Landrat vorgeschlagen „und bestimmt“  wurden.

Vorsitzender war zumindest ab 1941 Bürgermeister J. Clausen aus Bargen (damals noch selbständige Gemeinde; heute ist Bargen ein Ortsteil von Erfde).

Im Jahr 1945 taucht dann noch einmal Bürgermeister Sierks aus Hennstedt als Vorsitzender auf.

Nach dem Krieg durchgehend von 1945 bis 1965 war Bürgermeister Hans Thiemann aus Erfde 1. Vorsitzender. Ihm folgte Heinrich Soldwedel aus Tielenhemme (1965 bis 1992)

Es folgten   

  • Peter Frenzen, Erfde (1992 bis 1998)
  • Hans Clausen, Tielen (1998 bis 2006)
  • Ernst Tiessen, Delve (2006 bis 2008)
  • Otto Oldach, Hamdorf  (ab 2008 bis 2013)
  • Peter Hinrichsen, Osterade (ab 2013)

Die Angelvereine im Bereich von Rendsburg bis Wrohm erhielten 1966 neue Pachtverträge. In  der Zeit davor war die Eider nur an Berufsfischer verpachtet. Ab 1974 gibt es nur noch 3 Berufsfischer als Pächter. Ab 2010 sind neben diesen 3 Berufsfischern 19 Anglervereine Pächter und Nutzer der Eiderfischerei.